20 Jahre Schlossgarde Thurn
Mai 2007
Bereits seit 20
Jahren pflegt die Böllergruppe des
Schützenverein St. Sebastian Thurn das alte Brauchtum des Salutschiessens. 1987
entschloss sich eine kleine Gruppe (Lindenberger Waldemar, Böhm Leonhard,
Marchl Karl-Johann) unter dem Ansporn von Georg Bayer, eine alte Tradition
wieder aufleben zu lassen. Voller Begeisterung wurden Pläne von Handböllern
besorgt, um deren Eigenbau zu realisieren. Man fand schnell fachmännische Rat
von Herrn Mirwald aus Gräfenberg, ein guter Freund von Georg und Herrn Gröschel,
einem Kollege von Waldemar.
Georg organisierte eine
Stange Maschinenstahl, Blattfedern für das Schloss und Waldemar machte sich ans
Werk, zuerst mit den Rohren und dann in mühsamer Präzision an die vielen
Kleinteile. Nach Fertigstellung der Böllerrohre ging es dann zum Erstbeschuss
nach Drügendorf, dort vor Ort war Herr Edelmann vom Beschussamt Mellrichstadt.
Ein Feinmechaniker und ein
Schreiner waren ein Jahr lang zu Gange, um dann fast zeitnah mit Ablegen der
Böllerprüfung 1989 in der Kunigundenruh in Bamberg, fertig zu sein. Georg und
Waldemar beschlossen – nie wieder Böllerbau!
Pünktlich zum 50. Geburtstag
im Juli 1989, konnte unseren Grafen Hannfried v. Bentzel, von den Thurner
Vereinen ein Handböller mit Signatur überreicht werden.
1989 bei Antragstellung der
Erlaubnis fürs Böllerschiessen beim Landratsamt wurde klar, dass auch der
historische Hintergrund also das Brauchtum in der Region Forchheim eine
wesentliche Bedeutung hatte. Georg Bayer stöberte in Archiven und konnte somit
belegen, dass bei Anlässen, wie runden Geburtstagen, Hochzeiten, Totengedenken, Empfang von Würdenträgern, Fronleichnam,
Neujahr, Einweihung und Jubiläen öffentlicher Einrichtungen geböllert wurde.
Daraufhin erhielten wir die erhoffte 5-Jahres-Genehmigung für „ weltliche und
kirchliche Anlässe“. Übrigens gab es in Forchheim bereits im 15. Jhrdt. Glockengießereien, die Kanonen herstellten, genauso
wie in Bamberg und Nürnberg. In friedlichen Zeiten dienten Kanonen auch bei den
Bischöfen als Zeichen von Macht und Stärke.
An dieser Stelle muss auch
einmal erwähnt werden, das Herr Förstel, der Kgl. bayr. Artillerie aus
Wolkersdorf, Georg Bayer in dieser Angelegenheit so mache Hilfestellung aus
jahrelanger Erfahrung gab.
Anfangs wurde noch in
Lederjacke und Hose geböllert, da aber seit Jahrzehnten eine enge Verbundenheit
mit der Gräflichen Familie besteht, lag es nahe eine
historische Tracht auszuwählen. Die heute barocke Schlossanlage war im
Jahr 1422, eine der Überlieferung zufolge,
frühmittelalterliche Turmhügelburg von Wasser umgeben. Die Namensgebung
„Schlossgarde“ war der Fingerzeig
darauf.
Eine große Hilfe war uns die
Schneidermeisterin Frau Popp, von den Wallensteinfestspielen in Altdorf. Wir
entschieden uns für eine Uniform des 17. Jhrdt. und
nun galt es die Vorstellung in die Realität umzusetzen. Nach Wochen war uns
bewusst, dass dies nicht ohne erheblichen Kostenaufwand ging. Kurzerhand kam
auch hier Marke „Eigenbau“ zum tragen und die Tracht der Schlossgarde, mit
Lederwams, Kniebundhose, Hemd, wurde von unserer
Zu einer richtigen
Schlossgarde gehört natürlich auch noch
eine historische Kanone und diese erhielt die Schlossgarde, als Leihgabe, von
Graf Hannfried von Bentzel, der mit uns den Böller- und Kanonierschein machte.
Da eine Luntenzündung, damals vom Gewerbeaufsichtsamt nicht erlaubt war, wurde
eine Zündvorrichtung nach einem Plan von Herrn Klein, durch Waldemar
Lindenberger angefertigt. Da sich diese aber nicht bewährte, wurde eine neue
einige Jahre später (von Profis abgekupferte) durch Wolfgang Hubert nachgebaut.
Erster Einsatz der Kanone
war der 50. Geburtstag von Gräfin Michaela v. Bentzel Februar 1991. Zu diesem Termin waren bereits
vier Uniformen fertig, die weiteren 8 Uniformen bis Anfang1992. An der Lafette
nagte der Zahn der Zeit und sie musste erneuert werden. Georg machte sich mit
Eichenholz ans Werk. Bei den Schmiedearbeiten an der Lafette hatte er die
Unterstützung von Schmiedemeister Polz aus Hausen.
Die zentnerschwere Kanone ist heute der Stolz der Schlossgarde.
Mittlerweilen wurden unsere
Uniformen mit viel Liebe zum Detail ergänzt, mit Apostel (Pulverflaschen),
Ledergürtel, und Stulpenstiefel. Eine kleine Fahne mit dem Wappen des Grafen v.
Bentzel – Sturmfeder – Horneck, wurde angefertigt. Die Seide bemalte Frau Amesdörfer, und
Angeführt mit der kleinen
Fahne konnte nun die Schlossgarde bei kirchlichen und weltlichen Anlässen, das
alte Brauchtum des Salutschiessens pflegen. Das Feedback der Bevölkerung
bestätigte unseren Einsatz, an der Historik festzuhalten.
Im Februar 1992 konnten wir
vollzählig uniformiert mit unserer Kanone zum 85. Geburtstag der Gräfin Irmgard
von Bentzel-Sturmfeder-Horneck, einen Ehrensalut bringen. Weitere Feste
folgten: Königproklamationen bei SV Enzian in Hemhofen und in Neustadt b.
Coburg und dadurch angespornt wurde auch in unserem Verein die Abholung der
noch amtierenden Könige mit Fackelzug, Musik und Böllerschüssen wieder belebt.
Bei Fränkischen und Nordbayrischen Böllerschützentreffen, Annafestumzügen, ab
1998 beim Historischen Holzmarkt in Ilsfeld bei Graf Kilian v. Bentzel,
Millenniumsböllern in München 2000,
1000-Jahr-Feier
Herzogenaurach, Neujahrempfang des Ministerpräsidenten Beckstein 2003 in
Höchstadt, Empfang der Argentinischen Nationalmannschaft in Schloss Thurn 2006,
Schützenfesten und Vereinsfeiern der Ortsvereine und Umgebung und vor allem bei
Geburtstagen, Jubiläen, Hochzeiten der Gräflichen Familie.
Kommandant Georg Bayer, der
schier unermüdlich mit Begeisterung die Truppe anspornt, um die alte Zeit für
die heutige Generation lebendig zu erhalten, wurde an seinem 50. Geburtstag im
Dez. 2004, zum 1. Kanonier der Schlossgarde ernannt. Auch Graf v. Bentzel
würdigte in seiner Rede, dass es ohne seinen Einsatz eine Schlossgarde nicht
geben würde. Den Herzog Ernst-Albrecht-Orden und die Cartouche
d. kgl. bayr. Bürger-Militärs wurden ihm durch Kommandant Rainer Förster (Kgl.bayr.Bürgerwehr) überreicht.
Zur Gründungszeit in den
90er Jahren, hatten die Böllergruppen in den Schützenvereinen in unserer
Region, noch wenig Anlaufstellen im BSSB. An der Seite von Böllerreferenten
Herrn Seelmann war Georg Bayer in vielen Arbeitssitzungen Mitstreiter für die
Belange der Wiederbelebung des Traditionsschiessens. Auch die Kontaktpflege mit
den Vereinen, Ämtern, und den Vertretern
des BSSB und AKNB (Arbeitskreis Nordbayr.
Böllerschützen), wo auch über neue Bestimmungen und Verordnungen informiert
wird – wichtig für die Böllergruppe - übernimmt er gerne. Über die Jahre hat
sich dadurch zu vielen Vereinen eine enge Freundschaft aufgebaut.
Heute besteht unsere
Schlossgarde aus 14 aktiven Mitgliedern;
Kommandant u. 1. Kanonier
Georg Bayer
Graf Hannfried v. Bentzel
Waldemar u. Elfriede
Lindenberger
Karl-Johann Marchl
Hans-Otto Kupfer
Armin Kist
Thomas Mauser
Johann Zimmermann
Thomas Gügel
Wilhelm Zimmermann
Wilhelm Bohn
Ines Weiss
Und eine große Gruppe von
nicht aktiven Böllerschützen, die uns bei den Festzügen unterstützen und immer
eine Bereicherung darstellen.
Unterstützung bekamen wir
2005 auch durch die Höchstadter Musketiere, deren Schützen im Verein St.
Sebastian Thurn eine neue Heimat fanden.
Zur 1000-Jahr-Feier der
Gemeinde Heroldsbach konnten wir die Auftaktveranstaltung, den
Silvesterstaffellauf mit gestalten und das Neue Jahr 2007 mit Böllerschüssen
ankünden.
Anlässlich unseres
75jährigen Vereinsjubiläums des SV St. Sebastian Thurn, im Jahre 1999, durften
wir das 9. Fränkisches und das 1. Nordbayrische Böllerschützentreffen in Thurn
ausrichten. Damals waren fast 400 Böllerschützen und 10 Kanonen um die
Kübellohweiher aufgestellt. Der Thurner Bevölkerung ist dieser Treffen noch
heute in guter Erinnerung.
2007 dürfen wir das 16.
Fränkische Böllerschützentreffen ausrichten und wir wären glücklich, wenn dieses
unfallfrei und ebenso in guter Erinnerung bleiben wird.
Zu diesem Böllertreffen
haben sich 56 Gastvereine mit mehr als
400 Böllerschützen und 30 Kanonen angemeldet.
Kommandant Georg Bayer
und